SEO Tools und die Nutzung auf eigene Gefahr

In letzter Zeit wachsen sie wie die Pilze aus dem Boden, die Rede ist von den SEO Tools. Doch die Nutzung dieser Tools kann mitunter sogar gefährlich sein.

Verfasst von SEO Evangelist am 10.12.2010 um 16:51:00 Uhr
A

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mir mit diesem Artikel nicht nur Freunde machen werde, es muss einfach mal gesagt werden, es geht um das Thema SEO Tools. Zu erst einmal geht es mir persönlich ganz gehörig auf die Nüsse, wenn ich sowas höre wie "Ein seriöser SEO kommt heutzutage ohne das Tool XYZ nicht mehr aus" <<< das ist absoluter BULLSHIT!

Vor nicht allzulanger Zeit gab es überhaupt noch keine SEO Tools und SEO wurde auch ohne diese ganzen "ach-so-wichtigen-mega-tools" praktiziert. Auch heute noch ist es so, dass die Einzigen, die solche Tools wirklich brauchen, die Entwickler selbst sind. Gute SEOs brauchen sowas definitiv nicht, im Gegenteil, solche Tools können sogar gefährlich sein...

Datenbestand
Ein Tool ist immer nur so gut & aussagekräftig wie sein Datenbestand. Es gibt definitiv keinen Anbieter auf diesem Planeten, der auch nur annähernd auf die Datenmenge zurückgreifen kann wie Google und da Google nunmal das Hauptziel aller SEO-Bemühungen ist, sollte man sich schon gut überlegen, was man mit einem Tool will, dass einem nur die halbe Wahrheit verrät (wobei wohl eher nen Bruchteil der "Wahrheit").

Viele Webmaster gehen auch dazu über, die Massen an Bots der ganzen SEO Tool Anbieter auszusperren (ob die sich auch daran halten?), denn ausser Bot-Traffic haben sie nichts davon, das Geld verdienen die Tool Anbieter. Somit schrumpft der Datenbestand täglich und zunehmend z.B. bei Backlinkdaten. Die meisten Webmaster sperren hingegen Google nicht aus, da sie ja vom Besucherstrom profitieren wollen, somit entsteht ein extremes Ungleichgewicht zwischen dem Datenbestand, den Google hat & benutzt und dem, der von den SEO Tools verwendet werden kann. In puncto Backlinks muss man klar und deutlich sagen, es gibt in diesem Bereich definitiv KEIN verlässliches Tool, selbst der "Slurp" von Yahoo wird immer öfters ausgesperrt (um es dem Mitbewerbern nicht unnötig einfach zu machen) und somit die Daten des (noch verfügbaren) Yahoo Siteexplorers beschnitten (worauf sich wiederum viele SEO-Backlink-Tools stützen). Was soll ich mit einem teurem SEO Tool das mit nur einen Teil der Backlinks anzeigt?


Historische Daten
Bei manch einem Anbieter ist es DAS Feature schlecht hin: Historische Daten von Rankings, Keywords, etc... Also bitte, wir leben in der Gegenwart und optimieren für die Zukunft, was wollen wir mit alten Daten aus der Vergangenheit? Es gibt so Spezis die meinen, man bräuchte solche Daten um existenzielle Rückschlüsse auf irgendwas ziehen zu können, doch dafür müsste Google seinen Algorithmus einfrieren (damit er unverändert bleibt), sonst basieren solche Daten nämlich auf völlig unterschiedlichen Fundamenten und wir sind beim klassischen Vergleich von "Äpfeln und Birnen". Wenn Google mal wieder an seinem Algo geschraubt hat, sehen wir das in Echtzeit, direkt in den aktuellen Serps, da interessiert es uns dann auch nicht mehr, wie das Ranking vor 2 Jahren war.

Falsche Rückschlüsse
Ein Webprojekt verliert einige Rankings, doch die Backlinks sind beständig, es haben sich auch nicht irgendwelche neuen Wettbewerber in dem Themenbereich vorgeschoben ... Panik kommt auf. Jetzt noch schnell irgendwelche Änderungen an der Website umsetzen, um wieder nach vorne zu kommen?

Woher weiss ich eigentlich das die Backlinks beständig sind? Ach ja schon klar, das hat mir mein SEO Tool gesagt ... Was mir mein SEO Tool allerdings nicht verrät ist, was sich bei den Backlinks der linkgebenden Seiten getan hat, ich meine damit nicht die direkten, sondern in der 2., 3., 4. ... Stufe.

Dank meinem SEO Tool WEISS ich ja, dass sich an den Backlinks nichts getan hat, ergo liegt das Problem wo anders. Dieses Halbwissen führt zu falschen Rückschlüssen, was leider immer häufiger auftaucht, wenn man sich zu sehr (oder teilweise überhaupt) auf ein SEO Tool verlässt. Zum Beispiel verrät dir dein SEO Tool nicht das Seite D extrem an Linkpower verloren hat und deine Seite davon beeinflusst wird (je nach Markt, Nische & Linkjuice), denn Seite D linkt auf C, C linkt auf B und B wiederum linkt auf deine Seite (A). Das Ganze geht teilweise soweit, dass man sich überwiegend in falschen oder unzureichenden Informationen bewegt und sich seinen gesunden Menschenverstand damit "vergiftet".

Ein Beispiel aus dem Leben... Eine starke Seite verlor gewaltig in den Serps, doch laut SEO Tools war alles "Top", Backlinks super, Content super, es gab kein ReLaunch oder ReDirekt, die Seite schmierte einfach unaufhörlich ab. Selbst die Entwickler des Tools wussten nicht voran es liegt, da laut Tool ja alles bestens war ... Ich habe exakt 2 Minuten gebraucht (ohne irgendwelche Tools), um herauszufinden voran es lag ... Im Endeffekt war es ein ganz simples Problem: Jemand hatte eine falsche robots.txt hochgeladen, die den Google-Bot den Zugang untersagte und somit sämtliche Seiten langsam aber sicher aus dem Index entfernt wurden.

Sicherheit und Geschäftsgeheimnisse
Geschäftsgeheimnisse werden meistens streng gehütet, man denke dabei nur mal an Google und seinem Algorithmus. Eigentlich eine übliche Praxis in allen Branchen. Doch was zählt im Bereich SEO eigentlich zu Geschäftsgeheimnissen? Gute Linkquellen, Nischen- & Top-performende Keywords, etc...
und genau diese Geschäftsgeheimnisse plaudert jeder SEO aus, der fremde SEO Tools benutzt. Als SEO Tool Anbieter wäre ich ja schön blöd, wenn ich die Aktivitäten, Daten meiner Kunden nicht tracken & protokolieren würde, natürlich nur um eventuelle Probleme bei der Anwendung erkennen zu können, doch am Ende des Tages würde ich automatisch wissen, welche Nischen grade im kommen sowie welche Keywords interessant sind und bekäme die besten und neuesten Linkquellen frei Haus geliefert...

In anderen Branchen werden Geschäftsgeheimnisse verschlossen und ganz tief vergraben, bei uns werden diese anscheinend bereitwillig herausgegeben (und noch dafür bezahlt). An dieser Stelle betone ich ausdrücklich, dass ich keinem SEO Tool Anbieter irgendetwas bös- oder mutwilliges unterstelle, sondern lediglich auf die Möglichkeit hinweise, damit sich einige in Zukunft vielleicht vorher mehr Gedanken darüber machen, welche Geheimnisse sie preisgeben (wenn sie solche Tools nutzen). SEO ist weder ein anerkannter Beruf noch gibt es irgendwelche Kontrollorgane oder spezielle Gesetze, die Anbieter von SEO Tools beaufsichtigen, obwohl einige der SEO Daten schon wertvoller sein können als irgendwelche Bankdaten.

Fazit:
Abgesehen von dem Sicherheitsaspekt sollten man SEO Tools (sofern man diese wirklich benötigt und nicht weil jemand sagt das man sie braucht) grundsätzlich mit Vorsicht geniessen und die angebotenen Daten nicht als "letzte Weisheit" ansehen. Selbstverständlich gibt es Tools, die einem das Leben erleichtern können, doch die meisten Daten dieser Gattung sind im Web frei verfügbar. Bei anderen Dingen macht es Sinn diese "Old-School-like" zu handhaben, in dem man sich entweder eigene Tools dafür entwickelt (wichtig bei sensiblen Daten) oder auf Programme zurückgreift, die man bei sich selbst installieren kann (sofern diese nicht grade zwischendurch "nach Hause telefonieren").

Das ultimative SEO Tool
Es gibt tatsächlich nur ein einziges SEO Tool, ohne das ein SEO definitiv nicht auskommt und was wirklich jeder braucht: Das eigene Gehirn.


Datenschutz


Kategorie: SEO



Bisherige Kommentare zu dieser Nachricht:
Name:
Manuel Merz
geschrieben:
10.12.2010 um 17:08:27 Uhr
Kommentar:
Jaaaaaaaaaaaaaawoll!

Name:
Dirk
geschrieben:
10.12.2010 um 17:19:26 Uhr
Kommentar:
Hallo Dan, ein sehr schöner Beitrag, den ich als Nur-Gelegenheits-Tool-Nutzer so unterschreiben kann. Zum Yahoo Siteexplorer möchte ich gerne den Suchmaschinentricker Stefan Fischerländer zitieren (ganz frischer Post): Und da bislang nur Google das Ajax-Crawling unterstützt, sehen andere Suchmaschinen (Stichwort: Yahoo Site Explorer) unsere gecloakten Inhalte nicht. http://www.suchmaschinentricks.de/aktuelles/seo/1281.php Also ein weiteres Negativum. Aber auch unscharfe Daten sind besser als gar keine. Im Bereich Ranking und Sichtbarkeit sehe ich eigentlich das größeres Problem, da diese für kleinere Seiten überhaupt keine Aussagekraft haben. Man sollte, wenn man sich die Zeit nehmen kann, einen eigenen Sichtbarkeitsindex erstellen, mit einer individuellen Gewichtung für einzelne Terms. Und das kann man auch in Eigenarbeit und auf dem eigenen Server, zumal man ja die besten Keys gerne geheim halten sollte. Ich finde solche Tools am besten, bei denen die Daten alleine beim Kunden bleiben. Der Einsatz von SEO-Tools macht dann den größten Sinn, wenn man deren Linkwissen zusammenfasst. Aber selbst eine Bedienung der Suchmaschinen (Google, Yahoo, Bing, jetzt auch yandex.com), bei der man etwas cleverer vorgeht, liefert an sich schon eine Menge an Linkwissen, das erst einmal verdaut werden möchte. Last not least kann man das bei den Tools eingesparte Geld ja in hochwertigen Content investieren!

Name:
SEOnaut
geschrieben:
10.12.2010 um 17:39:14 Uhr
Kommentar:
Uhi, das ist ja ein ziemlich einseitiger Artikel. Das geht in deinem Zorn ziemlich am Ziel vorbei. Schade

Name:
Mike
geschrieben:
10.12.2010 um 17:42:58 Uhr
Kommentar:
So ein Käse. Ich möchte meine SEO-Tools nicht missen. Sie vereinfachen die erste Schnellanalyse einer Seite immens. Man surft durchs Netz und hat immer parat wie eine Seite ungefähr steht. Wie er welche Daten einzuschätzen hat, sollte ein guter SEO dann im einzelnem ohnehin wissen. Und das Gehirn kann zwar kein Tool ersetzen, aber es kann die Gehirnleistung für die wichtigen Dinge aufsparen.

Name:
Dan
geschrieben:
10.12.2010 um 17:48:03 Uhr
Kommentar:
@Marco: In meinem Zorn? Ich bin gar nicht zorning, wie kommste darauf? Du weisst doch ich bin ne Frohnatur. Und wieso einseitig? Ich habe lediglich auf einige Dinge hingewiesen, was man aus diesen Infos macht, bleibt ja jedem selbst überlassen. Das Tools helfen können (wenn richtig genutzt) steht ausser Frage, darüber brauche ich ja auch kaum nen Artikel schreiben (das haben andere schon ausgiebig gemacht), mir gings hierbei eher um die dunkle Seite, die nicht jedem bewusst ist ;) Quasi Verkehrserziehung für SEOs :D

Name:
Dan
geschrieben:
10.12.2010 um 17:53:20 Uhr
Kommentar:
@Mike: Ich mag Käse :P Hat ja auch niemand behauptet das du dich jetzt von deinen Tools trennen sollst, der Artikel hat lediglich darauf hingewiesen das es immer eine Kehrseite gibt. Wie du schon richtig sagtest weiss ein guter SEO welche Daten er wie verwendet, nun hat er halt ein wenig mehr Input...

Name:
Uwe
geschrieben:
10.12.2010 um 19:46:17 Uhr
Kommentar:
Hi Dan, schöne Denkansätze in deinem Artikel. Manchmal muss man es wie die Frauen machen: Auf das Bauchgefühl verlassen :-)

Name:
Gregor
geschrieben:
11.12.2010 um 11:09:04 Uhr
Kommentar:
Sehe ich nicht ganz so: Klar, wer sich hundertprozentig auf irgendwelche Tools verlässt und falsche Rückschlüsse daraus zeiht, dem ist nicht zu helfen. Übrigens kann das demjenigen genauso ohne Tools passieren. Darum geht es ja aber auch denke ich gar nicht, sondern darum, dass mich ein Tool extrem bei der Arbeit unterstützt, Daten zusammengefasst anzeigt die man nicht einfach in der Kürze der Zeit so zusammen bekommt, Schnellanalysen ermöglicht usw. Wichtig ist doch einfach dass ich viel Information zu bestimmten Bereichen habe, ob ich damit erfolgreicher werde oder nicht, das liegt dann an meinem Brain.

Name:
Stephan
geschrieben:
22.02.2011 um 00:19:57 Uhr
Kommentar:
Also grundsätzlich halte ich schon die Bezeichnung SEO Tool für bedenklich. Um es einmal platt zu formulieren, müsste ich davon ausgehen, ein SEO Tool ist ein Werkzeug, mit dem ich etwas (für Suchmaschinen) optimieren kann. Defacto handelt es sich aber in der Regel, wie auch im Artikel erwähnt, um die Darstellung des Status Quo, wenn nicht gar oft der Vergangenheit - wobei auch diese Daten durchaus interessant und hilfreich sein können. Absolut beipflichten muss ich dem Fazit: Das beste Tool, ist und bleibt das eigene Gehirn. Ach und für alle Interessierten, habe ich hier noch mein ganz persönliches SEO Tool für Euch - und das sogar absolut kostenlos! ;-) http://code.google.com/p/seostats/ Lieben Gruß, Stephan

Name:
odimuc
geschrieben:
20.09.2011 um 15:53:16 Uhr
Kommentar:
ganz guter Artikel, hab ich jetzt aus intresse schon zum zweiten mal innerhalb eines halben Jahres gelesen ^^ Aber historische Keyworddaten geben Rückschlüsse auf die Kunden, Leser etc. und seine Kunden zu verstehn halte ich für essentiell gruß odimuc

Name:
Stelios
geschrieben:
29.11.2011 um 13:27:59 Uhr
Kommentar:
Eigentlich ein guter Artikel, Dan! Nur sollen Tools wie unser www.aseops.com den SEO ja vor allem unterstützen. Ich denke das ist legitim. Denk nur an die unzähligen Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben, die ein SEO bzw. eine SEO-Agentur beim Kunden durchführen muss. Da ist ASEOPS eine unersetzbare Hilfe. Aber dein Artikel richtet sich ja nicht an Tools wie ASEOPS, sondern an vielen (neuen) Online-Tools, die Daten von Google (auf übrigens unerlaubterweise) abrufen, speichern und den SEOs für teures Geld verkaufen :) Deshalb hierzu noch einige Punkte als Ergänzung zu deinem Artikel: Die Idee ist vom Prinzip her gut. Leider kann sie nie richtig brauchbar umgesetzt werden, da hierzu eine gigantische Datenbank aus zig Milliarden Keywords UND Keyword-Kombinationen nötig wäre. Also historische Daten zu Allerweltskeywords wie Software sind alleine nicht hilfreich, sondern eben auch die zig Kombinationen dazu wie software download kostenlos seo tool etc. Somit sind diese ganzen Tools nicht zuverlässig genug, um daraus immer aussagekräftige Auswertungen zu generieren. Auch diese ganzen vielen selbsterfundenen Sichtbarkeitsindexe sind aus genau diesem Grund eher Spielzeug, da sie auf den vom Betreiber des Tools verwendeten, eben genannten Keyworddatenbanken basieren. Wenn ich eine spezialisierte Website habe, werden die für mich relevanten Keywords überhaupt nicht richtig erfasst und der jeweilig Sichtbarkeitsindex für meine Site somit nicht aussagekräftig. Auch wäre es natürlich nett zu sehen, mit welchen Keywords ein Mitbewerber bei AdWords eine Kampagne laufen hat. Aber auch hier das gleiche Problem. Es gibt zig Milliarden möglicher Keywords und vor allem Keyword-Kombinationen. Zu sehen bekomme ich also immer nur den kleinen Ausschnitt an Keywords, die mein Mitbewerber verwendet UND die auch in der Keyword-Datenbank des Tool-Anbieters vorliegen. Von der Aktualität der Daten mal ganz zu schweigen. Die einzige brauchbare Lösung, um an brauchbare Daten dieser Art zu kommen wäre es, wenn Google diese frei verfügbar macht.



Kommentar zur Nachricht
Schreiben Sie uns Ihren Kommentar zu dieser Nachricht, wir freuen uns über Ihr Feedback.
Name:
E-Mail-Adresse:
Kommentar:
Captcha:
Hinweis:
Um gegen Spam vorzubeugen bitte die obigen zwei Wörter (Captcha) in das Lösungsfeld darunter eingeben, getrennt von einem Leerzeichen.
 
NEWSLETTER

BOOKMARK
RSS FEEDS

KW 48 - Samstag, 03. Dezember 2016